Ich bin Europameister! Wer hätte das gedacht?! Also eigentlich bin ich es nicht alleine. Wir sind ein Team. Und damit meine ich die ganze Schweiz! Natürlich nicht im Fussball, da haben unsere Helden ja bescheiden gekämpf.In einer viel spannenderen oder zumindest genussvolleren «Sportart» sind wir Europameister: Kein anderes Land auf unserem Kontinent hat einen so hohen Schokoladenkonsum wie wir! Da weiss ich endlich, wofür ich mir seit Jahren einen Schokomuskel (auch Bauch genannt) ranzüchte! 12,3 Kilogramm Schokolade werden jährlich pro Person in der Schweiz verspeist. Dass man mit dieser «mickrigen» Zahl Europameister werden kann, erstaunt mich. Zumal mein jährlicher Verschleiss höher liegt! Schliesslich muss ich die Kilos wettmachen, welche die Schoko-Muffel in ihrer Ignoranz verschmähen. Bei Schokolademeisterschaften gehöre ich schon fast ins Profilager. Sollte irgendwann eine Nati der Schoko-Esser gegründet werden, bin ich dabei. Im Elfmeter-Schokoladenwettessen hätte ich beste Chancen. Beim Verputzen der Knusperecke würde ich ebenfalls mitmachen. Köbi Kuhn hat ja jetzt Zeit uns zu trainieren. Von der Figur her kann Köbi durchaus als sehr gutes Vorbild für Schoko- Europameisterschaften vorangehen! Zudem spricht der Gute stets so, als ob er einen besonders zähen Schokoriegel zwischen den Zähnen kleben hätte. So gesehen kann er sich seinen Traum vom Europameistertitel immer noch verwirklichen. Dieser Sieg würde zumindest auf die sehr süsse Art zustande kommen…
Um mich herum herrscht Totenstille. Kalte Augen mustern mich misstrauisch. Ich bin in fremdes Territorium eingedrungen! Die Situation ist für mich ungewohnt. Krampfhaft versuche ich, die kühlen Blicke zu ignorieren. Soll ich die Flucht ergreifen? Zu spät! Mit einem penetranten Ton schliessen die Türen und mit dem sanften Ruck setzt sich der Zug in Bewegung. Ich bin mittendrin: Bei den Pendlern! Jobbedingt pendle ich hie und da zur Rushhour Richtung Bern. Ich falle auf. Mir gelingt nicht, was sich für einen Profipendler gehört: mein Gesichtsausdruck ist zu freundlich und das betont mürrische Gebrummel zur Begrüssung des Kondukteurs, hinter irgendeiner Zeitung versteckt, will mir auch nicht gelingen. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich lächle zur Begrüssung. Das Hauptritual eines jeden Profipendlers beherrsche ich ebenfalls nicht: Jeden Tag mit dem gleichen Zug fahren und immer denselben Platz beanspruchen! Und wehe, er ist besetzt. Wenn Blicke töten könnten. Eine weitere Verhaltensweise ist ebenso bemerkenswert: kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof kommt hektische Betriebsamkeit auf. Vergleichbar mit einem Schwarm Heuschrecken über afrikanischen Steppen, drängen alle aus dem hinteren Teil des Zuges in die vorderen Wagen. Kommt der Zug zum Stillstand, geht es zu und her wie bei der Eröffnung eines polnischen Mediamarktes: Wettdrängen durch die schmale Öffnung namens Türe. Da halte ich mich lieber vornehm zurück, stehe einen Moment beiseite, beobachte und denke, dass es wohl besser ist, kein Profipendler zu sein.
Als ich heute die Zeitung gelesen hab, konnte ich meinen Augen fast nicht trauen. Der SMI ist zeitweise um -8% gesunken! Der Dow Jones verlor über 7 Prozent, der Nikkei über 9 Prozent. Andere europäische Börsen stürzen über 10 Prozent ab. Wien setzt den Handel aus.
Ich weiss nicht ob ihr euch klar darüber seid, dass hier gerade Geschichte geschrieben wird. In 100 Jahren wird es in den Geschichtsbüchern (wenns das dann noch gibt) heissen, dass 2007/2008 die grösste je dargewesene Finanzkriese ausgebrochen war.
Langsam müssen wir uns überlegen, ob unser Geld auf den Banken noch sicher ist. UBS und andere Banken sind nur bis etwa 20 000.- CHF geschützt. Wenn man also 50 000 CHF auf dem Sparkonto hat, kann es sein dass man 30000 verliert! Ich würde sagen die Kantonalbanken sind am sichersten, wenn die Bankrott gehen, dann zahlt der Kanton, wenn der pleite geht, zahlt der Staat! Also überlegt euch wo ihr euer Geld habt ;)
Cheers
